Gesellschaft

August 2012

Warum sind gute Manieren und guter Geschmack abhanden gekommen?

Feststellung
Mit schleichender Inflation wird der öffentliche Raum auf eine Weise genutzt, die man mit dem Wort „Niveaulosigkeit“ umschreiben kann.

Mitunter muss man jedoch von einer  „Verletzung des öffentlichen Raums“ sprechen, denn das was sich in unserer Gesellschaft rigoros breit macht, ist höchst alarmierend!

Ebenfalls ist erkennbar, dass gegenseitiger Respekt und ein niveauvolles Miteinander mehr und mehr abhanden kommen. Gute Kleidung, höfliches Benehmen und eine freundliche Kommunikation weicht mehr und mehr rüdem Miteinander.

 

Beispielsweise sieht man in Theater immer häufiger Menschen mit ungewaschenen Jeans und Rucksäcken – mit immer griffbereiter Wasserflasche – vor sich sitzen oder schon liegend. Gelegentlich wird sogar noch die Chiptüte unüberhörbar.
Eine Respektlosigkeit seinen Mitmenschen gegenüber, die meist dann noch dreist und frech angemotzt werden, wenn diese ihr Unbehagen zum Ausdruck bringen.
Damit wird jedes schöne Ereignis zu einer tristen Angelegenheit degradiert.

Auf den Straßen sieht es nicht viel anders aus.


Die Bequemlichkeit wird zu einer Qual für das ästhetische Auge.
Getreu dem Motto „Bequemlichkeit ist Trumpf“ präsentieren sich dickbäuchige
Männer – manchmal sogar nur im Unterhemd! – mit schlecht sitzenden Shorts über den krummen Beinen mit Socken und Turnschuhen oder Sandalen. Aber auch die Frauen zeigen oft völlige Abstinenz in punkto Ästhetik.

Aphrodite „Göttin der Schönheit“ lässt grüßen.

„Kleider machen Leute“ heißt es und da ist etwas dran!

Steht etwa hinter einem Bankschalter jemand mit Jogging-Anzug?
Hat man schon jemals einen Konzernmanager in einer Aufsichtsratsitzung mit Shorts und Turnschuhen gesehen? Kommt der Pfarrer zur Messe mit Strohhut und Badehose?

Natürlich nicht, denn hier gibt es noch Konventionen; Gott sei Dank!
Aber wie lange noch?

Der Slogan „Kleider machen Leute“ ist deshalb interessant, da man sehen kann, dass sich Menschen in der Regel entsprechend den Konventionen, die die Garderobe vorgibt, verhalten.
Ich habe jedenfalls noch keine Beine im Café auf Nachbarstühlen liegen sehen, die in Anzughosen und Lederschuhen gehüllt waren.
Mitunter sieht man aber schlecht gekleidete Leute, die Ihre Füße wie selbstverständlich genau dort hinlegen, wo andere gerade Platz nehmen wollen.

 

Rücksichtlose Bequemlichkeit breitet sich aus!
Die Menschen, die noch Ästhetik schätzen und auf eine gepflegte Atmosphäre wert legen, fühlen sich mehr und mehr belästigt und äußerst unwohl. Es ist an der Zeit, nicht mehr alles als gegeben hinzunehmen und sich gegen diese negative Entwicklung massiv zur Wehr zu setzen.

Was nützt das schönste Ambiente, wenn darin ständig Unschönes zugelassen wird?
Wenn selbst auch teure Restaurant und Sterne-Hotels nur noch den Kommerz im Auge haben, dann können sie in Zukunft auf eine elegante und schöne Einrichtung verzichten.
Weiße Tischdecken, Stoffservietten oder Kerzenständer werden dann sinnlos.
Gleichzeitig sei erwähnt, dass viele von Tischmanieren noch nie etwas gehört zu haben scheinen und auch hier ist eine zunehmende Entwicklung nach unten erkennbar.

 

 

Hat also die zunehmende Niveaulosigkeit etwas mit der Kleidung zu tun?
Ja!

Oder hat das sich von Ästhetik verabschiedende Straßenbild etwas mit der Niveaulosigkeit der dort sich herumtreibenden Menschen zu tun?
Ja, stimmt ebenfalls.
Denn, beides ist kausal miteinander verknüpft.

Was ist geschehen?
Die übersättigte europäische Gesellschaft hat verlernt, sich in der Öffentlichkeit so zu verhalten, dass ein niveauvolles Miteinander möglich ist.
Kaum jemand hält dem Anderen noch die Tür auf, es wird sich vorgedrängelt ohne Rücksicht auf Behinderte und Schwache. Ein freundliches „Guten Tag“ bei Eintritt in ein Geschäft gibt es schon lange nicht mehr.
Man wählt vielmehr zunehmend den intrinsischen Weg und unterhält sich nur noch mit seinem Handy, völlig ignorant gegenüber „einer gebrechlichen älteren Dame, die hilfesuchend nach einem freien Platz Ausschau hält“.

Dabei wäre alles mit etwas mehr Empathie so einfach und sogar für jeden Einzelnen bereichernd.

Was kann man tun?
Getreu dem Motto „was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ muss ganz unten – an der Quelle – begonnen werden.
In den Kindergärten bringt es nichts, Kinder nur zu betreuen nach der Regel „Aufenthalt bis zur Abholung“, statt dessen sollten Grundsätzlichkeiten hinsichtlich „emphatisches und generöses Verhalten“  „eingetrichtert“ werden. Hierzu bedarf es allerdings Betreuer(innen) mit hoher diesbezüglicher Bildung und Ausbildung.

Aber auch auf der Ebene der bereits „Entgleisten“ kann viel getan werden.
Fangen wir bei einer Aufsichtsperson in S-Bahnen, Straßenbahnen und Omnibussen an. Wer sich nicht an Mindestregeln hält, fliegt raus oder muss Bußgeld zahlen.

Gehen wir weiter in die Straßen.

Wer Papier von Mc Donalds oder Bierdosen achtlos wegwirft, wird zur Kasse gebeten. Das Bußgeld muss weh tun!
Hiermit verbunden würden die Budgets für die Straßenreinigung beachtlich verringert werden können und gleichzeitig mehr in die Stadtkassen fließen, als durch Strafzettel für Falschparker. Also „Politessen in die Fußgängerzonen!“.
Ebenfalls muss das Beschmieren und die mutwillige Zerstörung von fremdem Eigentum stärker in Strafe gestellt werden. Eine Verwarnung bewirkt da wenig.
Jeder müsste seine Schmierereien auf eigene Kosten entfernen lassen und zwar so lange, bis er im Randalieren keine Motivation mehr empfindet.

 

 

An oberster Stelle steht aber der Mensch. Ein tätlicher Angriff auf Menschen muss höher als bisher geahndet und bestraft werden. Täter sollten zusätzlich arbeiten müssen, um den Opfern Schmerzensgeld zahlen zu können; bei extremen Straftaten auch ein Leben lang.

 

In öffentlichen Einrichtungen wie Cafés, Restaurants, Geschäften, Kaufhäusern sowie in Fußgängerzonen muss eine angepasste Kleidung vorgeschrieben werden, die „Badekleidung“ gilt nur für den Strand als zulässig.

 

Das Einlasspersonal in Theatern- und Konzertveranstaltungen muss Besucher mit Rucksäcken und mit Proviant in den Händen zurückweisen, wenn selbst diesbezügliche Hinweisschilder an den Zuschauereingängen achtlos ignoriert werden.

Das geht nicht?
Doch!

Wenn wir nicht immer nur nach dem letzten EURO hecheln, der uns noch zwei Prozent mehr Umsatz bringt, wären wir schon auf der richtigen Spur.
Wenn wir aber alles nur noch ökonomisch sehen, bleibt die Kultur und damit auch das Niveau auf der Strecke.

Ein „Weiter so“ bedeutet Zerfall und Auflösung von Werten, Anstand und Sitten und endet in einer absoluten Verrohung und Verrüpelung.

Gegenseitiger Respekt und ein niveauvolles Miteinander sind Grundlagen für eine
Gesellschaft, die sich dringend wieder darauf besinnen muss.

Packen wir’s an!

 

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